Feb 10 2015

Herzgesundheit – In Bewegung bleiben – Teil 3

In den letzten beiden Blog-Beiträgen ging es darum, dass die kardiologische Rehabilitation zu wenig nachhaltig zu sein scheint hinsichtlich der Bindung an körperliche Aktivität. Deshalb bietet es sich an, verhaltensbezogene Techniken einzusetzen.

Davon gibt es eine lange Liste (z. B. [1]) und so stellt sich die Frage, was für Techniken sich als wirksam erwiesen haben in der Förderung körperlicher Aktivität bei Herzpatienten.

Erfolgreichste Techniken zur Bindung an körperliche Aktivität

In einer Übersichtsarbeit zum Thema berichten Ferrier et al. [2], dass in den Studien nach einer kardiologischen Rehabilitation die erfolgreichsten Techniken die Selbstbeobachtung, die Zielsetzung sowie die Identifikation von Barrieren und das Rückfallmanagement waren. Eine genaue Festlegung, welches nun die effektivsten Maßnahmen sind, lässt sich nicht treffen, weil in den meisten Interventionen in der Übersichtsarbeit mehrere Techniken eingesetzt wurden und somit nicht gesagt werden kann, welchen Einfluss genau die einzelne Technik hatte [2]. Techniken der Selbstregulation wie die Selbstbeobachtung (z. B. das Führen eines Bewegungstagebuchs oder das Tragen eines Schrittzählers), so die Autoren, sorgen für Empowerment und wahrgenommene Kontrolle. Sie schreiben weiter, dass Personen, die sich eigene Ziele setzen, diese wahrscheinlicher verfolgen als Personen, denen Ziele von Gesundheitsfachleuten oder Forschern vorgegeben wurden [2].

Eine Übersichtsarbeit der renommierten Cochrane Collaboration [3] empfiehlt auch die Selbstbeobachtung als Technik um die Bindung während der kardiologischen Rehabilitation zu sichern. Außerdem wird die Handlungsplanung herausgestellt, also das Anfertigen von „Was, wann, wo-Plänen" [3].

Bei Personen mit Herzinsuffizienz haben sich besonders das Setzen von Zielen, Feedback, sowie ein Problemlösetraining als hilfreich erwiesen [4].

Programme, Materialien für die Rehabilitation in Deutschland

In der stationären Rehabilitation der koronaren Herzkrankheit gibt es in Deutschland eine Patientenschulung, die sich für eine Bindung an körperliche Aktivität als wirksam erwiesen hat. In einer Studie waren Teilnehmer dieser Schulung ein Jahr nach der Rehabilitation aktiver als Teilnehmer, die nur die üblichen Inhalte der stationären Reha erhalten haben [5]. Zentral in der Schulung sind Zielsetzung, Handlungsplanung, Bewältigungsplanung und Selbstbeobachtung. Das Manual zur Schulung ist online verfügbar und enthält im Anhang z. B. Instrumente zu Selbstbeobachtung und Handlungsplanung (siehe [6]).

Auch Sudeck und Höner [7] haben verhaltensbezogene Techniken in der kardiologischen Rehabilitation in Deutschland erfolgreich eingesetzt. Ihr Konzept „VIN-CET" führte dazu, dass dessen Teilnehmer ebenfalls ein Jahr nach der Rehabilitation aktiver waren als Teilnehmer der üblichen Rehabilitation [7].

Auch wer eine umfassendere Sammlung an Teilnehmer- und Therapeutenmaterialien sucht wird im Netz fündig. Sportwissenschaftler aus Erlangen haben in einem Forschungsprojekt u.a. ein Teilnehmer- und ein Therapeutenmanual entwickelt [8,9]. Erstellt für den Einsatz bei Typ-2-Diabetes bzw. Adipositas, lassen sich die Materialien zumeist gut auf andere Indikationen übertragen oder können als Anregung dienen. Neben den bereits häufig genannten Techniken wie Selbstbeobachtung, Handlungsplanung, etc., finden sich in den Materialien auch Inhalte zur Intensitätssteuerung, zum Stimmungsmanagement oder zum Abwägen von Vor- und Nachteilen körperlicher Aktivität [8,9].

Hohe Anforderung an die TherapeutInnen

Dass eine Integration der genannten verhaltensbezogenen Techniken in die Praxis der Rehabilitation eine große Herausforderung darstellt dürfte jedem klar sein. Höner und Kollegen sprechen von der Erfordernis von „hohem pädagogisch-psychologischen Fachwissen, sowie guten kommunikativen Fähigkeiten" [10] und beziehen sich dabei auf Göhner und Fuchs, die ihrerseits mit den sogenannten „MoVo" Gruppenprogrammen verhaltensbezogene Interventionen für den Einsatz in der Rehabilitation konzipiert haben [11].
(SP)
Für Rückmeldungen, Kritik, Lob, Anregungen zum Text und neuen Themen und alles Weitere: stefan.peters@dvgs.de
1. Geidl, W., Semrau, J. & Pfeifer, K. (2014). Health behaviour change theories: contributions to an ICF-based behavioural exercise therapy for individuals with chronic diseases. Disability and Rehabilitation, early online, doi: 10.3109/09638288.2014.891056
2. Ferrier, S., Blanchard, C.M., Vallis, M., Giacomantonio, N. (2011). Behavioural interventions to increase the physical activity of cardiac patients: a review. Eur J Cardiovasc Prev Rehabil; 18(1):15-32.
3. Karmali, K.N., Davies, P., Taylor, F., Beswick, A., Martin, N. & Ebrahim, S. (2014). Promoting patient uptake and adherence in cardiac rehabilitation. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 6. Art.No.: CD007131. doi: 10.1002/14651858.CD007131.pub3.
4. Tierney, S., Mamas, M., Woods, S., Rutter, M.K., Gibson, M., Neyses, L. & Deaton, C. (2012). What strategies are effective for exercise adherence in heart failure? A systematic review of controlled studies. Heart Fail Rev, 17, 107-115.
5. Meng, K., Seekatz, B., Haug, G., Mosler, G., Schwaab, B., Worringen, U. & Faller, H. (2014). Evaluation of a standardized patient education program for inpatient cardiac rehabilitation: impact on illness knowledge and self-management behaviors up to 1 year. Health Education Research, 29(2), 235-246.
6. Seekatz, B., Meng, K., Altstidl, R., Haug, G., Mosler, G. & Schwaab, B. (2011). Curriculum Koronare Herzkrankheit – Manual. Standardisierte Patientenschulung. Version 12/2011.
Online verfügbar: http://www.psychotherapie.uni-wuerzburg.de/forschung/herzkrankheit/Curriculum_Herzkrankheit_Manual_KHK.pdf
7. Sudeck, G. & Höner, O. (2011). Volitional interventions within cardiac exercise therapy (VIN-CET): Long-term effects on physical activity and health-related quality of life. Applied Psychology: Health and Well-Being, 3, 151-171. doi: 10.1111/j.1758-0854.2010.01047.x
8. Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen-Nürnberg (2012). Verhaltensbezogene Bewegungstherapie (VBT). Teilnehmermanual Typ-2-Diabetes, Adipositas. Online verfügbar: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortalWeb/ressource?key=Teilnehmerheft_Typ-2-Diabetes_Adipositas.pdf
9. Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen-Nürnberg (2012). Verhaltensbezogene Bewegungstherapie (VBT). Therapeutenmanual Typ-2-Diabetes/Adipositas. Online verfügbar: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortalWeb/ressource?key=Therapeutenmanual_Typ-2-Diabetes_Adipositas.pdf
10. Höner, O., Sudeck, G., Keck, M. & Kosmützky, G. (2011). Verhaltensbezogene Interventionen in der Sport- und Bewegungstherapie. Bewegungstherapie & Gesundheitssport, 27, 111-120.
11. Göhner, W. & Fuchs, R. (2007). Änderung des Gesundheitsverhaltens: MoVo-Gruppenprogramme für körperliche Aktivität und gesunde Ernährung. Göttingen: Hogrefe.

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