Interview Wolf Kirsten
18.12.2008 „Das immense Problem der Zivilisationskrankheiten und den damit verbundenen Kosten können wir nur über die Gesundheitsförderung lösen“, sagt Wolf Kirsten, Gründer und Präsident von International Health Consulting mit Sitz in Berlin. Er berät multinationale Unternehmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung und leitet Trainingsseminare und Workshops für Organisationen weltweit. Wolf Kirsten empfiehlt, dass der neu gegründete europäische Ableger des IIHP Instituts in Heidelberg sich ganz der Gesundheitsförderung widmen und die Vernetzung aktiver Organisationen in Europa vorantreiben soll.

Sie haben das IIHP 8 Jahre lang an der American Univercity in Washington geleitet. Wie hat sich die Arbeit dort gestaltet und was waren und sind die Schwerpunkte?

Zunächst war meine Arbeit dem Aufbau des Instituts gewidmet – das sind mehr als 200 Organisationen aus über 50 Ländern. Dann haben wir uns maßgeblich mit den typischen Netzwerktätigkeiten beschäftigt: Internetauftritt, elektronische Kommunikation, jährliche globale Meetings, Studentenaustausch, Kontakte mit Interessenten sowie anderen internationalen Organisationen wie WHO, PAHO, International Union for Health Promotion and Education (IUHPE), Weltbank, Academy for Educational Development und mehr.

Dazu kamen zwei konkrete Produkte: Als erstes der Printnewsletter „Global Perspectives on Health Promotion“, der von dem bekannten American Journal of Health Promotion veröffentlicht wird und als zweites internationale Trainingsworkshops zum Thema betriebliche Gesundheitsförderung.
 
Vor 3 Jahren wurde in Heidelberg ein europäischer Ableger gegründet. „IIHP goes Europe“. Was soll das europäische Institut leisten?

Das muss im Einzelnen noch festgelegt werden, aber fest steht, dass sich der Ableger ganz der Gesundheitsförderung widmen wird und die Vernetzung aktiver Organisationen in Europa vorantreiben soll. Trotz der mittlerweile zahlreichen Aktivitäten in diesem Feld, gibt es ein Bedarf hierfür. Vor allen Dingen wird die  Einführung von Ausbildungsstandards anvisiert. Das IIHP ist ein phänomenales Netzwerk mit vielen akademischen Institutionen und ist also für solch ein Vorhaben prädestiniert.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen den IIHP in Washington, dem europäischen Ableger und dem DVGS?

Die American University (AU) in Washington D.C. bleibt das Zuhause des IIHP. Die Uni Heidelberg treibt die europäischen Projekte in Absprache mit der AU an. Der DVGS wird voraussichtlich ausführendes Organ der Zertifizierung des Health Promotion Managers im deutschsprachigen Raum sein.

Welche Erfahrungswerte können Sie dem Institut in Heidelberg mitgeben?

Dass sie selber aktiv bleiben und andere Institutionen antreiben müssen. Die weitgehend fehlende Formalisierung zum Beispiel hinsichtlich einer Satzung bringt viele Vorteile, aber erfordert auch einen zentralen Aktivposten. Als dieser in Washington aufgrund großer Umstrukturierungen an der AU geschwächt wurde, war das IIHP für mehrere Jahre wenig aktiv. Jetzt wollen wir sobald wie möglich ein Produkt vorweisen können, damit sich Leute identifizieren können mit dem IIHP und es erkennen und verstehen.

Was sind die nächsten Schritte und Ziele des Instituts in Heidelberg?

Zunächst sollte das Institut Strukturen für das europäische Center schaffen. Das umfasst den Aufbau eines Internetauftritts, Einrichtung von Emails und den kompletten Bereich der  Kommunikationsarbeit. Dann gilt es den Prozess der Einführung der Aus- Fort- und Weiterbildungsstandards voranzutreiben, um im nächsten Schritt erste Kurse anzubieten und ein europäisches Meeting in 2009 zu organisieren. Das wird wahrscheinlich in Schweden stattfinden.

Auf einer Sitzung des IIHP in Washington am 7.November 2008 wurde ein gemeinsamer Vorschlag der europäischen Niederlassung mit dem Kooperationspartner DVGS positiv verabschiedet, der vorsieht, weltweit einheitliche Aus- Fort- und Weiterbildungsstandards für Health Promotion Manager einzuführen. Wie wichtig sind diese Standards?

Extrem wichtig, denn zurzeit werden zu oft Programme der Gesundheitsförderung von noch wenig qualifizierten Leuten durchgeführt, Das sind zwar Ärzte, Fitnesstrainer, Arbeitswissenschaftlern oder Personalmanagern, eine ganz spezifische Qualifizierung gibt es aber nicht.

Wie kann das Thema Gesundheitsförderung europaweit vernetzt werden?

Gesundheitsförderung kann europaweit über Projekte wie einheitliche Aus- Fort- und Weiterbildungsstandards, regionale Meetings, elektronisches Networking, Summer Schools und auch Forschungsprojekte vernetzt und aufgebaut werden.

Warum ist das Thema Gesundheitsförderung an sich so wichtig?

Das immense Problem der Zivilisationskrankheiten und den damit verbundenen Kosten können wir nur über die Gesundheitsförderung lösen. Leider findet die Gesundheitsförderung immer noch weltweit viel zu wenig Unterstützung. In Zeiten der wachsenden Bedeutung von Humankapital machen Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter noch mehr Sinn und dementsprechend Motivation und Leistungsfähigkeit zu steigern. Die Globalisierung hat uns gelehrt, noch intensiver ins Ausland zu schauen, internationale Konzepte anzunehmen und für uns zu nutzen.

Warum sind Sie zurück nach Deutschland gekommen und wie gestaltet sich Ihre Arbeit in Berlin?

Deutschland ist meine Heimat und meine Familie lebt hier. Ich war zwar 11 Jahre in den USA, habe aber nie den Kontakt verloren. Ich arbeite überwiegend mit internationalen Großunternehmen, mein Standort ist relativ unwichtig. Derzeit helfe ich einem Unternehmen mit Zentrale in New York, dessen Ableger in Südafrika ein Gesundheitsmanagementprogramm aufbauen will. Oft geht es dabei um die Umsetzung von amerikanischen oder globalen Strategien in bestimmten Ländern und auch darum, entsprechende Anbieter zu finden.