Betriebliches Gesundheitsmanagement: Sieben Leipziger Thesen beim Innovationsforum
18.11.2010 „Die Gesellschaft muss auf die sich verändernden Alterstrukturen und die sich daraus ergebende Notwendigkeit für ein bestmögliches Betriebliches Gesundheitsmanagement aufmerksam gemacht werden.“ Dieses Fazit zogen die Veranstalter aus ihrem Innovationsforums „Demografie und Gesundheitsressourcen“, das am 5.11.2010 in Leipzig zu Ende ging. Die Tagung war eine Kooperation zwischen dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e.V. (DVGS), dem Fraunhofer Institut IZI Leipzig, der Europäischen Vereinigung für Vitalität und Aktives Altern e.V. Berlin (eVAA) und der Deutschen Angestellten Krankenkassen (DAK). Über 100 Teilnehmer hatten die Vorträge und die insgesamt 14 Workshops besucht.

Aus den Diskussionen leiteten die vier Institutionen die Sieben Leipziger Thesen ab, in denen Strukturen, Prozesse und Ergebnisse für ein gutes Gesundheitsmanagement beschrieben sowie Orientierungshilfe bei der Entwicklung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements gegeben werden. Die Leipziger Thesen im Einzelnen:

-    Das betriebliche Gesundheitsmanagement muss als integraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung anerkannt werden.
-    Alle Maßnahmen müssen mit dem Programm zum Arbeitsschutz und zur Arbeitssicherheit und mit der medizinischen und beruflichen Rehabilitation im Sinne eines »Disabilitiy Managements« vernetzt werden.
-    Es müssen Gesundheitsprogramme etabliert werden, die insbesondere Mitarbeiter erreichen, welche eine hohe Risikoexposition, eine hohe Beschwerdereaktivität und ein geringes Selbsthilfepotential aufweisen.
-    Es müssen »Frühwarnsysteme« zur frühzeitigen Feststellung eines Bedarfs an Interventionen in Unternehmen etabliert werden.
-    Es müssen Assessmentverfahren entwickelt werden, die sowohl Absentismus als auch Präsentismus integrieren.
-    Es müssen Evaluationen und deren Überführung in Kennzahlen durchgeführt werden.
-    Es müssen Qualitätsstandards für das Betriebliche Gesundheitsmanagement und dessen Integration in das interne Qualitätsmanagementsystem des Unternehmens entwickelt werden.

Für den DVGS meinte sein Ehrenvorsitzender, Prof. Dr.  Gerhard Huber (Universität Heidelberg), dass es zwar ein großes Wissen über Erhalt und Rückgewinnung von Gesundheit gibt, aber „nur wenige Strukturen für die praktische Anwendung dieses Wissens in Betrieben“. Festgeschriebenes Ziel der DVGS sei es deshalb, »eine Qualitäts-Systematik für Unternehmen anzufertigen“. Diese soll in Kooperation mit dem Fraunhofer IZI, mit der eVAA und mit der DAK erfolgen. Auch die Entwicklung von Bewegungsprogrammen für Unternehmen steht im Fokus der nächsten Bemühungen.

Der Hausherr und Institutsleiter des Fraunhofer IZI, Prof. Dr. Frank Emmrich, hatte betont: „Das Bedürfnis nach Gesundheit macht sich an der demografischen Entwicklung fest. So tragen zukünftig immer mehr ältere Arbeitnehmer und weniger jüngere zum Bruttosozialprodukt bei“. Dieses Zukunftsszenario mache es erforderlich, Maßnahmen zu bündeln und auf den Weg zu bringen, um auch im Alter gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Der Einladung nach Leipzig war eine Reihe von hochkarätigen Vertretern aus dem Gesundheitswesen gefolgt, um über die betriebliche Gesundheitsförderung zu diskutieren. Für den Vorstandsvorsitzenden der DAK, Prof. Herbert Rebscher, war es selbstverständlich, sich in die Diskussion mit Prof. Huber einzubringen. Aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW in Düsseldorf war Dr. Gottfried Richenhagen gekommen. Für den Vorstand des Unternehmens MaschmeyerRürup AG Frankfurt/Main war Bert Rürup vertreten, besser bekannt als langjähriger Berater der Bundesregierung in Renten- und Sozialversicherungsfragen und „Erfinder“ der Rürup-Rente.


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