Dr. Joachim Wiskemann fährt mit hohen Erwartungen zum EEBC
Kongress: Neue Erkenntnisse zum Thema „Sport und Krebs“ werden dort erstmalig vorgestellt

28.09.2010

„Sport und Krebs“ – dieses Thema rückt in der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit immer stärker in den Blickpunkt. Auch erkrankte Patienten merken, dass sie der Sport sowohl während als auch nach der Erkrankung in die Lage versetzt, eigenständig etwas für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit zu tun. Am 15. und 16. November laden das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) zum „EEBC - Exercise, Energy Balance und Cancer“- Kongress ein. Als Partner beteiligt sich auch der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie. Dr. Joachim Wiskemann vom NCT Heidelberg und Experte auf dem Gebiet „Sport und Krebs“ über Fortschritte der Forschung und seine Erwartungen an den Kongress.

Am 15. und 16. November findet erstmalig ein internationaler Kongress in Deutschland statt, der sich alleinig mit dem Thema „Sport und Krebs“ beschäftigt. Welche Erwartungen sind mit der Austragung der Veranstaltung verbunden?


Wir hoffen, dass unsere Veranstaltung dazu genutzt wird, dass sich im deutschen wie im internationalen Wissenschaftsraum interessierte Forscher zusammenfinden und gemeinsam über das Thema „Sport und Krebs“ in all seinen Facetten diskutieren und beraten. In diesem Zusammenhang würde es uns sehr freuen, wenn möglichst viele Professionen von Medizin über Biologie, Epidemiologie, Sportwissenschaft, Psychologie und darüber hinaus an unserem Kongress teilnehmen.  

Was soll und kann der Kongress bewirken?

In erster Linie soll der Kongress natürlich den wissenschaftlichen Austausch und das Kennenlernen unterschiedlichster Forschergruppen ermöglichen. Darüber hinaus wäre es zudem wünschenswert, wenn aus dem Kennenlernen neue Kooperationen und gemeinsame Projektideen entstehen, denn multizentrische Forschungsprojekte werden wir in Zukunft immer häufiger benötigen, um vor allem die nötigen Fallzahlen für aussagekräftige Studienergebnisse zu erreichen. Bezogen auf die Öffentlichkeit wünschen wir uns natürlich eine gewisse Sichtbarkeit auf der Ebene der politischen Entscheidungs- und Kostenträger. Denn letztendlich sind diese genannten Parteien dafür verantwortlich, dass die wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnisse Eingang in die therapeutische Praxis und Versorgung finden.

Vom DVGS werden mit Prof. Gerhard Huber und Dr. Freerk Baumann zwei Referenten an dem Kongress teilnehmen. Welche Aufgaben können Partner wie der DVGS rund um das Thema „Sport und Krebs“ übernehmen bzw. wie können Sie gegenseitig voneinander profitieren?

Der DVGS und auch die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft sind die zentralen Vereinigungen der gesundheitsorientiert arbeitenden Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler, die meist in einem multiprofessionellen Team aus Onkologen, Sportmedizinern und Psychologen zusammenarbeiten. Sie beteiligen sich  an der Entwicklung, Planung und Durchführung von Forschungs- und Versorgungsprojekten. Die Verbände sollten sich sehen  sich dabei vor allem in der Funktion von vernetzenden Organisationen sehen, die den stetigen Wissensaustausch und bringen geeignete Partner zusammen. Ebenso sollten sie entsprechende wissenschaftliche Resultate unter ihren Mitgliedern kommunizieren als auch in Ausbildungs- und Fortbildungscurricula überführen und so für eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Versorgung garantieren.

Warum ist das Thema „Sport und Krebs“ in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Wissenschaft gerückt?

Insbesondere die erdrückende epidemiologische Datenlage zum Thema körperliche Aktivität und Krebsinzidenz hat schon vor einigen Jahren dazu geführt, dass das Thema „Sport und Krebs“ in den Fokus des Interesses gerückt ist. Am eindrücklichsten wird die epidemiologische Datenlage derzeit vom World Cancer Research Fund (WCRF) in seinem Jahresbericht 2007 zusammengefasst. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine schützende Wirkung von körperlicher Aktivität für die Erkrankungen Brust- (nach der Menopause), Darm- und Gebärmutterkrebs als gesichert angenommen werden kann. Diese neueste Zusammenfassung ist natürlich Antrieb für zahlreiche Interventionsstudien, die positive Effekte von Sport und körperlichem – insbesondere auf therapiebedingte Nebenwirkungen und Lebensqualität – bei verschiedenen Krebserkrankungen zeigen.
 
Welche neuen Erkenntnisse gibt es zur Rolle von Sport bei Krebserkrankungen?

Spannend sind zum einen natürlich die neusten Ergebnisse von Beobachtungstudien im Bereich der Tertiärprävention. So konnte beispielweise im Rahmen einer großen amerikanischen Studie, der U.S. Nurses Health Study, gezeigt werden, dass moderate körperliche Aktivität von ca. 3-5 Stunden pro Woche im Vergleich mit inaktiven Frauen das Risiko nach einer Brustkrebserkrankung zu versterben, um die Hälfte senken kann. Ähnliche Ergebnisse lassen sich auch bei behandelten Darmkrebspatienten finden. Auf der anderen Seite zeigen aktuellste Interventionsstudien bislang unbekannte und neue potentielle Wirkmechanismen auf. So zeigen neue Resultate einer großen amerikanischen Sport- und Ernährungs-Studie, dass DNA-Reparaturmechanismen positiv beeinflusst werden können. Diese und zahlreiche weitere Daten werden auf der Konferenz zum Teil erstmalig vorgestellt werden.

Welche Fragen sind noch offen, die zukünftig angegangen werden müssen? Gibt es dazu schon konkrete Vorstellungen?

Auch wenn das Thema Sport bei Krebs mittlerweile sehr medienwirksam geworden ist und entsprechend häufig darüber berichtet wird, gibt es dennoch zahlreich Fragen, die bislang unbeantwortet sind. So stellt sich beispielsweise die berechtigte Frage: Ist Sport bei jeder Krebserkrankung und in jedem Stadium einer Erkrankung sinnvoll und möglich? Ebenso wissen wir nur sehr wenig über die Dosis-Wirkungsbeziehung von Sport bei Krebspateinten. Und „last but not least“ stellte sich auch für den onkologischen Forschungsbereich die sportpsychologische Gretchenfrage: „Wie gelingt es Krebspatienten dazu zu bewegen sportlich aktiv zu werden und dies auch langfristig zu bleiben“? Zukünftige Forschungsvorhaben werden versuchen, diese Fragen zu beantworten.


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