Wander-Projekt mit Krebspatienten als „Kampagne des Jahres“ ausgezeichnet
16.06.2010 Selbstwertgefühl, Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, das Körpergefühl und die Lebensqualität leiden bei einer Krebserkrankung ganz enorm. Mit außergewöhnlichen Vorhaben wie einer mehrwöchigen Pilgerreise von Brustkrebspatientinnen auf dem spanischen Jakobsweg, einer Alpenüberquerung von München nach Venedig… oder einer 1400 km langen Radtour von Prostatakrebs-Erkrankten will der Kölner Sportwissenschaftler Dr. Freerk Baumann den Menschen ein neues Leben mit viel Perspektive ermöglichen. DVGS-Vorstandsmitglied Dr. Baumann, der die Aktion gemeinsam mit Prof. Dr. Wilhelm Bloch und Prof. Dr. Klaus Schüle (beide Köln) durchführte, erhielt für seine vielfältigen Wanderprojekte jetzt die Pulsus-Gesundheitspreis 2010 der Techniker Krankenkasse und der „Bild am Sonntag“.
„Wir wollen beweisen, dass man selbst nach einer Krebserkrankung Außergewöhnliches vollbringen kann und dass die gewonnenen Erfahrungen enorm wichtig für die individuelle Krankheitsbewältigung sind“, begründete Dr. Baumann dieses Vorhaben. Wichtig ist aber auch: Es müssen nicht immer 1000 km zu Fuß über die Alpen, durch Lappland mit dem Schneebrett oder quer durch Europa mit dem Fahrrad sein. Schon 1000 Schritte täglich sind wirksam..
Bereits 2009 hatte der Kölner Sportwissenschaftler den Helmut-Wölte-Preis für Psychoonkologie erhalten. An Krebs erkranken jedes Jahr fast eine halbe Millionen Menschen neu. Allerdings sind die Chancen mittlerweile deutlich gestiegen, die Krankheit zu „besiegen“. Auf dem Weg zu der nicht einfachen Überwindung der Folgen kann Bewegung maßgeblich helfen.
Bei seinem letzten Projekt hatten sich am 17. Mai 2010 in Köln acht Männer auf ihr Rad geschwungen, um gemeinschaftlich das große Abenteuer anzugehen, weit über tausend Kilometer mit dem Rad zurückzulegen. Sie sind am 9. Juni 2010 alle gesund in der französischen Hafen-Metropole Marseilles eingetroffen. Die Tagesetappen waren jeweils durchschnittlich 70 km lang. Neben dem Beweis der eigenen Leistungsfähigkeit geht es aber um mehr, denn das Thema „Prostata-Krebs“ wird unter Männern weitgehend tabuisiert. „Durch den fehlenden Erfahrungsaustausch wird die Krankheitsbewältigung eingeschränkt.“, erklärte Dr. Baumann. „Wir hoffen, dass sich die Betroffenen untereinander mit Hilfe der entstehenden Gruppen-Dynamik vermehrt über ihre eigenen Erfahrungen austauschen.“
Neben der Psyche profitiert aber auch der Physis ganz stark von solchen Unternehmungen, denn wissenschaftlich erwiesen ist mittlerweile, dass Bewegung und Sport bei Brustkrebserkrankungen die Leistungsfähigkeit verbessert und das Erschöpfungssyndrom (Fatigue) mindert. Ähnliche Indizien existieren für viele andere Krebserkrankungen. Es konnte in den letzten Jahren gezeigt werden, dass das Vorkommen der freien Radikalen, die u.a. für die Krebserkrankungen verantwortlich gemacht werden, abgesenkt werden konnte, vor allem auch durch die Wanderprojekte.
Die ermutigenden Ergebnisse der begleitenden Evaluierung, die in dem Buch „Die Macht der Bewegung“ von Dr. Baumann wieder gegeben sind, zeigen, dass sich die onkologische Rehabilitation mit solchen Projekten viel versprechend weiter entwickeln kann. Den Menschen kann vor allem ein großes Maß an Lebensqualität vermittel werden, ihre Schlafsituation wird wieder besser und sie werden stressresistenter. Für die bisherigen Formen der Rehabilitation ist es ein mehr als deutlicher Fingerzeig, die angestammten Pfade zu verlassen und die Erkenntnisse der Wissenschaft umzusetzen. Die Kölner wollen jetzt das Stadium der Wissenschaft verlassen und einen Verein gründen, der Wanderprojekte für Krebsbetroffene regelmäßig anbieten wird.
Seit neuestem ist der DVGS Pate für das Wort „Sporttherapie“. Was eine Wortpatenschaft bedeutet und welche Aufgaben damit verbunden sind, lesen Sie hier.
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