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Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind vielfältig und bereits heute deutlich spürbar. Die steigende Lebenserwartung eröffnet viele Chancen, sie bringt aber auch einige Probleme mit sich. Eines dieser Probleme ist, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen ältere Menschen unbeabsichtigt stürzen. Die Bundesinitiative Sturzprävention ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Experten aus dem Bereich der Sturzprävention, von Mitarbeitern von Krankenkassen sowie von Sport- und Wohlfahrtsverbänden. Gemeinsames Ziel der Beteiligten ist es, die Umsetzung von ambulanten Sturzpräventionsgruppen zu fördern. Dr. Ellen Freiberger von der Universität Erlangen ist Leiterin des Forschungsprojektes „Standfest im Alter“.
Was ist das übergeordnete Ziel der Bundesinitiative Sturz?
Es kommen viele Programme auf den Markt, die nicht evaluiert sind. Die Bundesinitiative Sturzprävention wurde mit dem Ziel gegründet, die Qualitätsansprüche für Sturz-Präventionsprogramme zu evaluieren und festzulegen. Dabei will die Initiative Empfehlungen für die finanzielle Förderung von Sturz-Präventionsgruppen im ambulanten Bereich aussprechen und den Rahmen definieren, unter welchem Aspekt diese Gruppen zu fördern sind. Wir haben jetzt nach zwei Jahren Arbeit ein Empfehlungspapier verabschieden können. Mit diesem Papier wollen wir die Einrichtung und Förderung von ambulanten Sturzpräventionsangeboten voranbringen, die den formulierten Qualitätsansprüchen genügen und die flächendeckend umsetzbar sind.
Wer soll angesprochen werden? Welche Zielgruppe will die Initiative erreichen?
Die Empfehlungen der Bundesinitiative Sturzprävention betreffen vor allem zwei Zielgruppen, für die sturzpräventive Maßnahmen am Wohnort von entscheidender Bedeutung sind: Das sind ältere Menschen mit moderatem Risiko zu stürzen und ältere Menschen mit hohem Sturzrisiko, die bereits hilfsbedürftig sind und körperliche Einschränkungen haben.
Durch welche Maßnahmen ist es möglich, die Zahl der Stürze älterer Menschen zu reduzieren?
Hauptsächlich sind die nachlassende Gleichgewichtsfähigkeit und zu schwache Muskelkraft der Grund dafür, dass ältere Menschen so häufig hinfallen. Damit ist festgelegt, dass kein Präventionsprogramm ohne ein zielgerichtetes und entsprechend progressives Krafttraining auskommen darf. Zudem ist es unabdingbar auch Schulung zu Gleichgewichts- und Gangtraining sowie eine Stärkung der Koordination zu integrieren, die individuell den älteren Menschen fordern
Welche Auswirkungen kann ein Sturz bei älteren Menschen haben?
Derzeit ereignen sich in Deutschland jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen unbeabsichtigte Stürze von älteren Menschen. Bei Leuten die bereits gestürzt sind, liegt die Angst, wieder zu stürzen, bei 60 bis 90 Prozent. Das Problem ist jetzt, das ein Kreislauf entsteht: Denn aus Angst zu stürzen, bewegen sich die Menschen immer weniger. Damit wird der alternsbedingten Zyklus des Abbaus weiter unterstützt. Also wenn ich mich nicht bewege, dann trainiere ich auch nicht meine Kompetenzen besonders die physischen und damit wird der Alterungsprozess in einem steileren Abbau weiter beschleunigt.
Welche Rolle spielen dabei Partner im organisierten Sport wie dem DVGS?
Es wird zukünftig immens wichtig sein, flächendeckend zielgerichtete Sturzpräventionsprogramme anzubieten. Der DVGS mit seiner professionellen Struktur und dem was er bieten kann, sind ganz wichtige Partner für uns. Wir müssen es erreichen, alle Berufsgruppen anzusprechen. Der DVGS war der erste Verband, der das Thema Qualitätskriterien durch eine Curriculum-Ausbildung in den Raum gestellt hat und heute zum Beispiel in der Trainerausbildung eine Vorreiterrolle spielt.
Wenn wir die Kosten, die durch Stürze entstehen, angesichts des demografischen Wandels nicht in den Griff kriegen, werden die explodieren.
Was kann der Sporttherapeut im speziellen zur Verringerung des Sturzrisikos beitragen?
Von großer Bedeutung ist es, dass die Programme ausreichend häufig, progressiv und über längere Zeiträume hinweg angeboten werden. Im Mittelpunkt steht das Balancetraining mit zunehmender Schwierigkeit. Der Sporttherapeut muss sich seine Zielgruppe genau analysieren und das Risiko einstufen.
Bis Ende des Jahres wurden Empfehlungen für einen einheitlichen Rahmen der ambulanten Sturzprävention erarbeitet. Was beinhalten diese Empfehlungen?
Die Empfehlungen sind ganz klar: Die Zielgruppe muss richtig angesprochen werden, die Empfehlung sagt ganz klar welche Inhalte Trainingsprogramme haben müssen und welche Qualität die Ausbildung haben muss.
Welchen konkreten Maßnahmen sollen 2010 umgesetzt werden?
Das Jahr 2010 steht ganz im Zeichen des Aufbaus einer Clearing Stelle für die Anerkennung der Bewegungsprogramme und Ausbildungsrichtlinien. Es werden Kriterien erarbeitet, nach denen die bisherigen etablierten Programme bewertet werden können. Eine Prozessevaluation erscheint hier sinnvoll. Die Qualität der Kursleiter/innen wird durch einheitliche Ausbildungs- und Prüfungskriterien im Rahmen der Qualifikation sowie durch Supervision während des Kursangebots gesichert. Des weiteren soll eine Homepage der Öffentlichkeit die Informationen zugänglich machen. Download Empfehlungspapier Sturzprävention
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