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Interview mit Prof. Berg, Vorstandsvorsitzender der Plattform Ernährung und Bewegung e.V.: peb muss nachhaltig wirkenden Ansätzen in der Präventionsarbeit etablieren
22.07.2009 Prof. Dr. med. Aloys Berg ist neuer Vorstandsvorsitzender der Plattform Ernährung und Bewegung. Der Sport- und Ernährungsmediziner Prof. Berg aus Freiburg im Breisgau tritt die Nachfolge von Univ.-Prof. Dr. med. Erik Harms an, der peb seit der Gründung im September 2004 zum größten und zu einem profilierten Netzwerk zur Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in Europa mit aufbauen konnte. Der 62jährige Prof. Berg will die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers weiter ausbauen: peb soll in der Öffentlichkeit weiter bekannt gemacht werden und Akteure aller gesellschaftlichen Bereiche dazu motiviert werden, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Frage: Sie sind neuer Vorsitzender der Plattform Ernährung und Bewegung. Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?


Prof. Dr. Berg: Nachdem es Prof. Harms gelungen ist, mit peb eine Plattform zu bilden, die wesentlich dazu beigetragen hat, die Übergewichtsdiskussion bei Kindern und Jugendlichen zu versachlichen und ursachengerecht zu führen, geht es jetzt darum, die Arbeit von peb zu stabilisieren und in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Um die Entwicklung zum Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu stoppen, muss es uns dabei gelingen, auch die Akteure, die heute noch nicht bei peb engagiert sind, zu motivieren, ihre Verantwortung wahrnehmen. Alle gesellschaftlichen Bereiche, die die Lebenswelt von Kindern prägen, sind hierzu aufgerufen. Denn dem multikausalen Problem Übergewicht ist nicht mit einzelnen oder isolierten Maßnahmen zu begegnen.

Frage: Ausgewogene Ernährung und viel Bewegung im alltäglichen Leben von Kindern – Wie kann diese Anstrengung flächendeckend umgesetzt werden?

Prof. Dr. Berg: Angesichts des Abschlusses der Pilotphase unseres Projektes „gesunde kitas • starke kinder“ steht die Entscheidung dazu an, wie wir auf Grundlage der Evaluationsergebnisse die Philosophie des Projektes in die Breite tragen können. Ziel muss sein, dass möglichst viele Kinder von unserer Arbeit profitieren. Ich verstehe peb dabei allerdings als Netzwerk, dessen Aufgabe es ist, andere Akteure und Projekte von unserem ganzheitlichen Ansatz zu überzeugen. peb alleine, wird es – beispielsweise im KiTa-Bereich – nicht schaffen können, flächendeckend den gesunden Lebensstil im Kindesalter zu verankern.

Frage: Wie können Kinder und Eltern besser erreicht werden?

Prof. Dr. Berg: Bei peb arbeiten wir ausdrücklich nicht nach dem Gießkannenprinzip. Wir entwickeln unsere Maßnahmen zielgruppenadäquat und verankern sie im jeweiligen Setting. Dazu kooperieren wir mit den verantwortlichen Fachexperten vor Ort. Wenn man diese Prinzipien konsequent berücksichtigt und es schafft, einen Transfer ins Elternhaus zu gewährleisten, sind auch die entsprechenden Ergebnisse zu erwarten. Dies zeigen auch die Evaluation und ersten Ergebnisse zu unserem Projektes „gesunde kitas • starke kinder“.

Frage: Was haben Sie sich für ihr erstes Jahr vorgenommen?

Prof. Dr. Berg: Ich bin zu einem Zeitpunkt in dieses Amt gekommen, zu dem entscheidende Weichenstellungen anstehen. Meines Erachtens muss es jetzt darum gehen, die Arbeit von peb zu etablieren und zu verbreitern. So arbeiten wir nach der Pilotphase des bereits genannten KiTa-Projektes daran, die Erkenntnisse weiterzuverbreiten. Im Handlungsfeld Junge Eltern wollen wir auf der Grundlage eines explorativen Projektes nachhaltig wirkende Maßnahmen der Gesundheitsförderung entwickeln.

Frage: Sie haben das Ernährungs- und Bewegungsprogramm für Übergewichtige M.O.B.I.L.I.S. mit auf den Weg gebracht. Was kann man von dieser Erfolgsgeschichte in andere Vorhaben/Ideen/Projekte mitnehmen?


Prof. Dr. Berg: Ich denke, was ich bei peb einbringen kann, beschränkt sich nicht auf meine Funktion bei M.O.B.I.l.S. Zunächst sind mir als Wissenschaftler und mit meinen Funktionen in der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention und in der Deutschen Adipositas Gesellschaft zahlreiche Projekte und die dazugehörigen Evaluationsergebnisse bekannt, die die Wirksamkeit der Lebensstilfaktoren Ernährung und Bewegung in der Prävention des Übergewichts sicherstellen. Aber auch aus der Sicht des Projektleiters zum Therapieprogramm M.O.B.I.L.I.S. muss ich feststellen, dass ein enormer Bedarf für Vernetzung und Austausch besteht. Noch immer gibt es zu viele Projekte nebeneinander, die nichts voneinander wissen und daher glauben, „das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen“. Von großem Nachteil ist zudem, dass längst nicht alle der angebotenen Projekte nach den heute gültigen Kriterien zufrieden stellend evaluiert sind. Umso wichtiger, dass es einen bündelnden Akteur wie peb gibt, der Pilotprojekte durchführt oder begleitet und die Ergebnisse dieser Pionierarbeit der gesamten Fachszene zur Verfügung stellt. Ich werde den Transfer in beide Richtungen unterstützen.

Frage: Wie werden sich die Kernaufgaben von peb weiter entwickeln?

Prof. Dr. Berg: Die Aufgaben von peb bleiben meiner Meinung nach unverändert. peb will im Bereich der Übergewichtsprävention, vorrangig bei Kindern und Jugendlichen, weiterhin koordinierend und vernetzend agieren, um nachhaltig wirkenden Ansätzen in der Präventionsarbeit zum Durchbruch zu verhelfen. Mit Best-Practice-Projekten, wie peb es mit „gesunde kitas • starke kinder“ initiiert hat, hat peb, aufbauend auf dem aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft und den Erfahrungen erfolgreicher Akteure, neue Wege aufgezeigt und neue Erkenntnisse gewonnen. Derzeit bestehen immer noch zu viele Ansätze und Projekte nebeneinander, ohne dass diese genügend voneinander lernen und sich bezüglich ihrer Wirksamkeit austauschen. Hier bleibt für peb auch in den nächsten Jahren sehr viel zu tun.


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